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10 Tipps, wie man sich garantiert Weihnachten versauen kann




10 Tipps, wie man sich garantiert Weihnachten versauen kann

Weihnachten versauen leicht gemacht

Die Geschäfte sind festlich bunt und leuchtend geschmĂĽckt, auf den Märkten riecht es brechreizgefährlich nach klebriger Zuckerwatte und fettiger Bratwurst, die Menschen rennen gehetzt mit GlĂĽhweinfahnen durch die StraĂźen, in den Kaufhäusern laufen nervtötend Feliz Navidad und Rudolph the red nosed reindeer in dröhnender Dauerschleife vom Band und ĂĽberhaupt scheint die ganze Welt verrĂĽckt zu sein. Das klingt nach …äh, Moment, …Weihnachten! Es ist wieder Dezember. Kein Monat ist anstrengender, keine Zeit im Jahr ist stressiger. Besonders die Deutschen lieben ihr heiliges Weihnachtsfest und sind unendlich bemĂĽht, Jahr um Jahr das beste Weihnachten ever zu feiern.
Zehn Tipps sollen zeigen, wie man sich wieder Weihnachten versauen kann, und zwar so richtig.

Weihnachten versauen

© Sebastian Gauert / Fotolia.com

1. Plätzchen müssen her!

Weihnachten muss um jeden Preis dieses Jahr perfekt werden. Unbedingt! Deshalb muss auch gebacken werden, und zwar in der heimischen Weihnachtsbäckerei. Ganz im Sinne von self made und mit viel Liebe und so. Weil das nun mal schon immer so war. Unter diesem Vorsatz jagen haufenweise Hobby-Konditoren, etliche Möchtegern-Confiseure und die allergrößten Backamateure nach sämtlichen Zutaten, mit denen vermeintlich leckere Plätzchen hergestellt werden sollen. So geht es hochmotiviert und mit traditionellen, außergewöhnlichen und sogar veganen Rezepten ausgestattet ans Backhandwerk. Spätestens aber wenn die verformten und geschmacklosen Plätzchen auf dem Teller liegen und die Küche mehlstaubüberzogen und bekleckert vor sich hin gammelt, stellt sich die Frage, warum es das weihnachtliche Gebäck beim Bäckermeister um die Ecke nicht auch getan hätte?
Wer krampfhaft übereifrig Plätzchen backen will, kann sich Weihnachten versauen, noch bevor es überhaupt begonnen hat.

2. Der Run nach den Geschenken

Diesmal wird alles anders. Besser, teurer und ĂĽberflĂĽssiger als je zuvor muss fĂĽr jedes Familienmitglied, alle Freunde und Bekannten, die engsten Arbeitskollegen und selbst den geschwätzigen Nachbarn das ultimative und allerallertollste Geschenk her. Jeder soll glĂĽcklich und zufrieden sein. Nein, es geht kein Weg daran vorbei. An Weihnachten gibt es Geschenke, weil das eben immer schon so war. Basta! Also stĂĽrmen die vom Weihnachtssog Gebeutelten in die menschenĂĽberfluteten Geschäfte, wie wild gewordene ferngesteuerte Zombies auf der verzweifelten Suche nach kreativen Geschenkideen. Ah, jetzt, ja! Am Ende liegen auf dem Gabentisch das von der völlig ĂĽberschminkten Verkäuferin schick eingepackte ParfĂĽm und die viel zu engen Boxershorts im Sparpack fĂĽr den Herrn des Hauses, der gar kein Calvin Klein-Unterwäschemodel ist und auch nie eins sein wird. Als Bonus gibt es dann zum Hammerpreis einen neuen 4k-Fernseher in 55 Zoll oben drauf, fĂĽr die liebe Familie, weil eben Weihnachten ist. Und obwohl es das alles gar nicht braucht und sich keine alte Sau mehr ĂĽber irgendwas von dem lieblos Gekauften freut und der Fernseher sowieso ein Auslaufmodell ist – trotzdem! Eben weil, und genau darum. Jingle Bells macht es lediglich an den Kassen, die stoische Konsumsucht lässt erneut grĂĽĂźen, Weihnachten versauen war nie einfacher als so.

Weihnachten Shoppen

© nicoletaionescu / Fotolia.com

3. Es lebe die Tradition!

Alle Jahre wieder kommen neben dem Christkind auch sentimentale Kindheitserinnerungen wie aus der Schneekanone geschossen. Wie schön war es früher, als Mutter noch echte Klöße selbst gemacht hat und Vater dilettantisch tölpelhaft den Santa Claus mimte. Hach, da wird es warm ums Herz. Und kurzerhand wird in einem Anfall von vorweihnachtlicher Wehmut beschlossen, dass dieses Jahr wieder mal ganz traditionell gefeiert wird. Dazu gehört freilich auch der unumgängliche Gang in die Kirche, wo sich dankbar und ehrfürchtig die Gläubigen und Ungläubigen im Hause des Herrn aneinander pressen und ungeduldig warten, bis der Pfarrer seine alljährliche Weihnachtsrede beendet hat. Peinlich wird es erst, wenn dann stümperhaft fehlerbeladen das Vater Unser genuschelt wird. Alles aber nicht so schlimm, dann wird eben etwas mehr als geplant in den Spendenbeutel geworfen, um den ketzerischen faux pas bestmöglich zu kaschieren. Und dann nichts wie raus aus den göttlichen Gemäuern, heim zum Braten. Schnell, schnell, weil der Zeitplan im Nacken sitzt. Besinnlich ist an der guten alten Tradition maximal noch das immer wieder faszinierende Orgelspiel.

4. Das jetzt auch noch!

Als ob der ganze Stress rund um Weihnachten nicht genug wäre, mĂĽssen zeitgleich noch andere Dinge erledigt werden, die unendlich nerven. SchlieĂźlich will man ja Weihnachten versauen. Genau darum wird pĂĽnktlich vor Heilig Abend noch ein Friseurtermin ausgemacht. Denn zu einem perfekten Fest gehört eben auch ein perfektes Aussehen. Ganz gleich, wie lang die Wartezeit ist – was muss, das muss! Und weil es so viel SpaĂź macht in der hektischen Vorweihnachtszeit von einem Termin zum nächsten zu preschen, setzt man sich auch noch auf den so gehassten Zahnarztstuhl. Gerne doch. Unabhängig davon, dass dafĂĽr auch noch nach Dezember Zeit wäre. Im Hinterkopf summt immer schön hörbar die Stimme des Weihnachtsgewissens. Alles muss tadellos ablaufen, wie jedes Jahr. Da geht kein Weg dran vorbei.

5. Weihnachtsmärkte abklappern

Es gibt keine Stadt, die nicht damit wirbt. Ob Christkindlmarkt oder nordisches Weihnachtsdorf, historischer Weihnachtsmarkt oder Striezelmarkt – die Vorweihnachtszeit muss mit einem Besuch auf einem Weihnachtsmarkt beginnen. Meterlange Schlangen an GlĂĽhweinständen, unnötige Weihnachtsmitbringsel zum Bestpreis, kitschig blinkende ZipfelmĂĽtzen, verlockende Lebkuchenbuden, torkelnde Knecht Ruprechts und dazu die längst totgespielten Klänge von Wham empfangen jedes Jahr zahlreiche Weihnachtsfans. Als gäbe es kein Morgen. Last Christmas, I gave you my Hirn… möge da treffender fĂĽr den ein oder anderen der Weihnachtsmarktbesucher sein. Spätestens beim dritten Ellenbogencheck ist dann klar: Das ist die Realität. Auweia! So ganz und gar nicht friedlich und harmonisch. Die vorweihnachtliche Freude ist dahin. Mies gelaunt und völlig ĂĽbersättigt geht es nach Hause. Abnehmen wollte man eigentlich auch, wenigstens 5 Kilo. Wieder nix. Weihnachten versauen kann so simpel sein.

6. Im Rausch der Deko

Wer Weihnachten versauen will, der setze sich in den Kopf, rechtzeitig vorm ersten Adventswochenende die ganze Wohnung weihnachtlich zu dekorieren. Im festen Glauben daran, dass LED-Lichterketten, störrische Adventskränze und Plastikfiguren im Weihnachtslook ein zauberhaftes Flair und träumerische Gemütlichkeit schaffen, werden die vier Wände auf Vordermann gebracht und jedes auch nur denkbare freie Örtchen mit trashigem Festtagsschmuck aufgepimpt. Was sollen sonst die Gäste denken? Fantastisch, wenn die sich in ganzen vier Stunden ihres Besuchs freuen über den staubfangenden Klimbim, der mühselig irgendwann im neuen Jahr wieder abgeräumt werden muss. Schön war´s wieder.

Weihnachtsstress

© IdeaBug, Inc. / Fotolia.com

7. Nichts geht ĂĽber die Familie

Wer sich selbst gern quält und auch in diesem Jahr einen Rekord aufstellen will in Weihnachten versauen, der lade am besten die ganze Familie ein. Alle auf einmal, getreu nach dem Motto, alle wieder mal unter einen Baum zu bringen und in fröhlich heiterer Eintracht das Fest der Liebe zu feiern. Felsenfest wird also vereinbart, dass man sich am Tage von Christi Geburt harmonisch zusammensetzt, auch wenn der eine den anderen nicht mag und sowieso alle das ganze Jahr über streiten. Macht aber nichts, denn es ist doch Weihnachten, Kinder, und Mutti wünscht sich nichts sehnlicher als Frieden in der Familie. Wenn dann der aufwendig zubereitete Gänsebraten verschmäht wird, weil man so fettig neuerdings nicht mehr speist, und die Geschenke mit gelangweiltem Gesichtsausdruck zur Kenntnis genommen werden, ist auch klar, dass selbst das von Mutter so liebevoll vorgetragene „Stille Nacht, heilige Nacht“ nicht mehr hilft, einen weihnachtlichen Zauber aufkommen zu lassen. Still ist einzig noch die beleidigte Schwägerin, während der Rest sich in bitteren Vorwürfen echauffiert. Oh du verdammte Weihnachtszeit! Gut gemeint ist eben nicht gleich gut gemacht.

8. Oh Tannenbaum!

Es ist wieder soweit. Bäume braucht das Land. Eine echte Tanne muss her. Und zwar die größte und die grünste. Eine wie aus dem Weihnachtsbilderbuch. Ganz Clevere warten bis zum letzten Tag, denn da gibt es die stachligen Gewächse bestimmt günstiger. Von wegen. Weil wahrscheinlich hundert andere dieselbe Idee hatten, stehen jetzt noch ein paar mickrige, schief gewachsene und lichte Exemplare auf dem Verkaufsplatz, während der Christbaumverkäufer weder verhandlungsbereit noch entgegenkommend die Hände aufhält. Als Trost bleibt die Gewissheit, dass der Baum vielleicht ganz hübsch aussieht, wenn er erstmal geschmückt ist. Bunte Kugeln und einladende Lichter täuschen aber nur geringfügig über den bedauernswerten Zustand des Baumes hinweg. Davon abgesehen, früher war sowieso mehr Lametta.

Abgefallene Tannennadeln werden mit Besen und Schaufel aufgekehrt

© tibanna79 / Fotolia.com

9. Tue Gutes

Nie sind die Menschen groĂźzĂĽgiger als zur Weihnachtszeit. Es gehört mittlerweile zum guten Ton, an die Armen und Schwachen zu denken und mit einer kleinen Spende Gutes zu tun. Weil man das eben so macht. Weil es das schlechte Gewissen beruhigt und das Ego stärkt. Wer an Weihnachten blind und gedankenlos dem Konsumwahnsinn zum Opfer fällt und sich in sinnlosen Weihnachts-To-do-Listen verheddert, dem fällt in letzter Minute noch der nächst gelegene örtliche Wohltätigkeitsverein ein, dem man unbrauchbare Klamotten oder nutzlose Utensilien in erhabener GroĂźzĂĽgigkeit ĂĽberbringt. Gern wird auch die seltene Fahrt zum Tierheim auf sich genommen, um dort einen Sack Hundefutter den kläffenden Kötern vor die FĂĽĂźe zu werfen. Blöd nur, wenn die BedĂĽrftigen ganz andere BedĂĽrfnisse haben. Ho Ho Ho… ach so. Hat einem aber niemand gesagt. Ă„rgerlich. Weihnachten versauen geht auch schöner.
Merke: Wer ernsthaft helfen will, hat dafĂĽr ein ganzes Jahr lang Zeit.

10. Ab in den SĂĽden

Weihnachten versauen? Dieses Jahr nicht! Mit diesem Vorsatz wird bereits im Sommer eine Reise in den Süden gebucht. Sonne, Strand, Palmen und Cocktails, fernab vom Weihnachtstrubel. Die Vorfreude ist riesig, die Koffer sind gepackt. Bis die Eltern vorwurfsvoll und todtraurig den Zeigefinger erheben. Weihnachten im Süden? Und was ist mit Stollen, Christbaum und Gänsebraten? Und überhaupt, alle freuen sich auf das gemeinsame Weihnachtsessen und die Bescherung. Und wandern gehen im Schnee. Und bevor noch weitere Argumente Kopfweh verursachen, wird die Reise in den Süden kurzfristig storniert. Dem familiären Frieden zuliebe und weil doch Weihnachten ist. Die Stornogebühren werden zähneknirschend in Kauf genommen. So macht Weihnachten versauen Spaß und den gibt es eben nicht umsonst.

Weihnachten versauen ist keine Kunst mehr, es wurde über die Jahrzehnte verinnerlicht und wird traditionell gepflegt und tugendhaft gelebt. Schon schade, denn es könnte doch so schön sein.

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